Leadership-Experte Alexander Groth über die Erfolgsfaktoren von Veränderungen und Fähigkeiten einer guten Führungskraft

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Alexander Groth ist Professional Speaker und Autor von dem Buch „Führungsstark im Wandel“. Er gilt als einer der renommiertesten Führungsexperten in Deutschland. Als Professional Speaker gibt Alexander Groth Führungskräften auf Tagungen und Konferenzen mit seinen spannenden Vorträgen neue Impulse für ihre Arbeit. Er versteht es, seine Zuhörer zu fesseln und zu begeistern.

Zu seinen Kunden gehören die Führungsetagen internationaler Konzerne. Seine Expertise in Führungsfragen ist regelmäßig in Zeitungs-, Radio- und Fernsehinterviews gefragt. Alexander Groth leitet das Mastermodul Leadership an der Universität Stuttgart und ist Lehrbeauftragter für Change Management und für Rhetorik an der angesehenen BWL-Fakultät der Universität Mannheim, wo er selbst Betriebswirtschaftslehre und Philosophie studiert hat. Seine Vorlesungen werden heute von bis zu 700 Studierenden besucht.

 

Im Interview sprach der Leadership-Experte mit Talential über die Chancen von Veränderung und Wandel in Unternehmen.

Bernhard Shaw hat einmal gesagt “If you teach a man anything he will never learn“. Glauben Sie das trifft zu?

 

Alexander Groth: Die Frage ist, wie Sie Lernen definieren. Wir können uns durch Weiterbildung und das Lesen von Büchern sehr gut neues Wissen aneignen. Dieses führt aber normalerweise nicht zu einer Verhaltensänderung. Wir alle wissen doch zum Beispiel, wie man gesund lebt, setzen diese Erkenntnisse aber nur unzureichend um. Die meisten Personaler erwarten sich aufgrund von betrieblicher Weiterbildung eine Verhaltensänderung der Teilnehmer. Das funktioniert aber in der Tat nur sehr begrenzt, denn wir Menschen werden über das Auslösen von Emotionen aktiviert und nicht durch den Verstand.

 

Change Management – warum sollte man überhaupt etwas ändern, wenn im Unternehmen alles gut läuft?

Alexander Groth: Die Amerikaner sagen: „If it ain’t broke, don’t fix it.“ Das gilt aber nicht für komplexe Unternehmen in einem knallharten globalen Wettbewerb. Wenn Sie warten, bis etwas am Markt nicht mehr funktioniert, kann dies für Ihr Unternehmen tödlich sein. Wenn Sie dagegen zu den Besten Ihrer Branche zählen wollen, müssen Sie kontinuierliche Verbesserungen einführen. Leider wehren sich Mitarbeiter oft gegen solche durchaus sinnvollen Maßnahmen, selbst dann, wenn es für sie gar keinen Nachteil mit sich bringt.

 

Was ist beim Change-Management das Kernproblem?

Alexander Groth: In den meisten Unternehmen wissen weder die Unternehmensleitung noch der einzelne Manager genügend darüber, warum Menschen sich in Veränderungen oft irrational verhalten. Dabei steckt dahinter eine durchaus nachvollziehbare Logik der Gefühle, wie ich in meinem neuen Buch zeige. Wenn man diese nicht berücksichtigt, wird es sehr schwierig, Veränderungen umzusetzen.

 

Was verlangt Change-Management von den betroffenen Mitarbeitern?

Alexander Groth: Wenn es nach der Geschäftsleitung ginge, dann würden die Mitarbeiter den geplanten Wandel ohne Murren in die Praxis umzusetzen. Tatsächlich aber steht die Funktionsweise des Gehirns dem erst einmal entgegen und verursacht Widerstand. Wir nehmen zum Beispiel Verschlechterungen psychologisch viel stärker wahr als die gleichzeitigen Verbesserungen. Außerdem aktiviert ein Wandel all die Gefühle, die das emotionale Langzeitgedächtnis aus früheren Erfahrungen mit Veränderungen gespeichert hat. Und das sind selten angenehme Gefühle.

 

Wie sichert man nachhaltig die Ergebnisse des Veränderungsprozesses? Wer ist Verantwortlicher von einem Change Prozess? Die Personalabteilung?

Alexander Groth: Verantwortlich ist die jeweilige Führungskraft. Sie muss es schaffen, dass die Mitarbeiter neue Gewohnheiten entwickeln und nicht in die alten zurückfallen. Das ist aber schwer. Stellen Sie sich vor, Sie erleiden einen Herzinfarkt. Der Arzt sagt Ihnen bei Ihrer Entlassung: „Sorgen Sie für weniger Stress, mehr Bewegung und fettärmeres Essen, sonst sehen wir uns schon bald wieder. Und der zweite Infarkt könnte tödlich sein.“ Würden Sie sich verändern? Studien belegen, dass 90 Prozent der Infarktpatienten weiterleben wie bisher und entsprechend früh sterben. Nur einer von zehn schafft es, seine Gewohnheiten dauerhaft zu verändern und damit sein Leben zu retten.

 

Welche Bedeutung wird Change-Management in Zukunft für Unternehmen haben?

Alexander Groth: Unternehmen müssen sich heute an immer mehr Veränderungen in immer kürzerer Zeit anpassen. Die Zeit spielt dabei oft eine maßgebliche Rolle. Selbst große Unternehmen verschwinden vom Markt, wenn Sie sich nicht schnell genug anpassen können. Entscheidend für die Umsetzung von Veränderungen ist dabei vor allem das mittlere Management. Die Fähigkeit, Menschen im Wandel richtig zu führen, wird für mittlere Manager deshalb zu einem maßgeblichen Karrierefaktor.

 

Vielen Dank für das Interview und diese interessanten Einblicke.

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