Charles Schmidt im Interview: „Wer Social Media ignoriert, wird nicht mitverfolgen können, was über sein Unternehmen im Social Web kommuniziert wird“

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Charles Schmidt wurde 1969 in El Paso, Texas geboren. Schmidt ist verheiratet, hat einen Sohn und eine Tochter und lebt heute in Maxhütte-Haidhof, rund 20 Kilometer nördlich von Regensburg.

In der Zeit von 1989 bis 2004 produzierte der Elektrotechniker rund 600 Image-, Produkt- und Schulungsfilme für die Krones AG.

2004 übernahm Schmidt zusätzlich die Gruppe Creations innerhalb der Konzernkommunikation des Weltmarktführers für Abfüll- und Verpackungstechnik. 2008 launchte Schmidt gemeinsam mit der Bavaria interactive die Plattform krones.tv. Von 2008 bis 2010 wurden hier rund 200 Videos veröffentlicht.

Seit 2010 ist Charles Schmidt auch Corporate Social Media Officer der Krones AG.

Guten Tag Herr Schmidt. Vorab danke ich Ihnen für das Interview. Ich bin über das Video “The next Big Thing” auf Ihre Employer Branding bzw. Social Media Aktivitäten aufmerksam geworden. Das Video gefällt mir sehr gut. Zudem gibt es bei KronesTV noch eine Vielzahl weiterer Videos. Das alles kostet viel Zeit. Bleibt denn neben Ihrem Alltagsgeschäft Platz dafür?

Charles Schmidt: Vielen Dank für das Lob.

Die Krones AG entwickelt, fertigt und installiert komplexe Systeme für die Getränkeindustrie. Das Kerngeschäft bilden Abfüll-Linien, Etikettiermaschinen und Verpackungsanlagen. Darüber hinaus umfasst das Angebot auch Brauerei-, Logistik und IT-Systeme. Marketingtechnisch bewegt sich Krones damit im Bereich der „erklärungsbedürftigen Produkte“. Und um diese an den Kunden zu bringen, braucht es vor allem eins: dialogstarke Kommunikation.

Bereits seit Ende der 80er Jahre gibt es bei Krones eine eigene Videoabteilung. 2008 haben wir www.krones.tv gelauncht. Social Media ist für uns u.a. ein weiterer Kanal im (Online-) Kommunikations-Mix.

Aber mit einer Schnittstellenfunktion und besonderen Eigenschaften. Unternehmen kaufen nicht bei Unternehmen. Es sind die Menschen, die bei Menschen kaufen. Social Media verleiht dem Konzern ein menschlicheres Antlitz.

Lohnt sich die ganze Arbeit in Social Media denn überhaupt (Stichwort “ROI”)?

Charles Schmidt: Der Nutzen von Social Media ist analog zum Nutzen der Kommunikation an sich. Es können sowohl  Informationen übermittelt werden als auch persönliche Beziehungen zwischen Menschen aufgebaut werden. Ob dies zum Nutzen und zum Wohle der Krones AG abläuft, ist vom Inhalt und der Zielsetzung der Kommunikation und nicht per se vom Kanal abhängig.

Daher stellt sich m. E. die Frage nach dem ROI weniger, als jene nach dem ROI (Risk of Ignoring). Wer Social Media ignoriert, wird nicht mitverfolgen können was über sein Unternehmen im Social Web kommuniziert wird.

Auf die Frage, was der Schlüssel erfolgreicher Social Media Aktivität ist, hört man immer häufiger die Antwort „Unternehmen müssen authentisch sein.“ Was ist für Sie ein authentisches Unternehmensbild?

Charles Schmidt: Würde ich auch so sehen, Authentizität und Geschwindigkeit – das sind die beiden wichtigsten Schlagworte im Social Web. Eine offene Unternehmenskultur ist aus folgenden Gründen für den Einsatz von Social Media unerlässlich, auch um diese beiden Kommunikationsfaktoren erfolgreich bedienen zu können:

Sowohl für das Personalmarketing als auch für die Kommunikation mit (potentiellen) Kunden gilt:  Erst wenn im Unternehmen eine offene Kultur gelebt wird, kann diese auch authentisch im Social Web nach außen kommuniziert werden. Gerade bei Unternehmen mit größerer Belegschaft sind die Mitarbeiter die wichtigsten Botschafter der Marke, im Guten wie im Schlechten. So wird ein „geschöntes“ Firmenimage in den sozialen Medien sehr schnell enttarnt, während eine authentische Kommunikation der Firmenkultur auf hohe Akzeptanz der Belegschaft stoßen wird. Um sich als gute (Arbeitgeber)Marke positionieren zu können, muss das Unternehmen die Karten auf den Tisch legen. Fotos, Videos, ein authentischer Dialog mit Mitarbeitern im Internet – all das zeigt den Arbeitgeber im besten Licht, aber eben ungeschönt – und das kommt bei Kunden ebenso gut an wie bei potentiellen Bewerbern.

Was hat die Präsenz auf Social Media Plattformen der eigenen Unternehmensseite voraus? Ist es die besagte Authentizität?

Charles Schmidt: Der Begriff „Cross-Media“ sagt es ja eigentlich schon: Social Media kann nur ein (ergänzender) Teil des Kommunikationsmixes sein. Gerade im B2B Bereich sind Corporate Websites mit „statischen“ Produktinformationen unerlässlich, da man im Social Web das Produkt unmöglich in allen seinen Einzelheiten, die für den Kunden kaufentscheidend sein können, darstellen kann. Allerdings sind Kampagnen über viele verschiedene Medienkanäle hinweg – kombiniert mit interessanten Inhalten im Social Web – eine interessante Möglichkeit, um zusätzliche Aufmerksamkeit zu erregen und mit dem Kunden in direkten Dialog treten zu können. Solche „crossmedialen“ Kampagnen werden in Zukunft m. E. weniger die Ausnahme als die Regel sein (siehe auch “The next Big Thing”).

Im Kontext von Social Media-Einsatz in Unternehmen taucht Ihr Name immer häufiger im Netz auf, z.B. im Rahmen von Interviews. Verstehen Sie sich als Social Media Experte?

Charles Schmidt: Wenn sich „Experte sein“ über die Anzahl der gegebenen Interviews definiert, scheine ich wohl auf einem ganz guten Weg zu sein. (lacht)

Aber im Ernst: Über 10.000 Menschen arbeiten weltweit für Krones. Ihr Denken und Handeln prägt das Bild von Krones, auch in den Mitmach-Medien. Die Persönlichkeit von Krones wird nicht vom Vorstand bestimmt – sie wird von den Mitarbeitern geschaffen. Denn sie sind es, denen Krones sein Gesicht verdankt. Ein Gesicht, das unsere Kunden überall wiedererkennen, dem sie vertrauen und das sie schätzen. Das ist ein wertvoller Vorteil, der uns vor unseren Wettbewerbern auszeichnet.

Die Antwort ist daher Nein.

Ich persönlich glaube auch nicht so ganz, dass es den Social Media Experten gibt.

Ich habe das Glück bei einem dialogstarken Unternehmen mit tollen Menschen, innerhalb der Konzernkommunikation, den Bereich Social Media zu verantworten.

Und darauf bin ich stolz. Stolz darauf, wie sehr die Krones Mitarbeiter das Projekt Social Media unterstützen und wie aktiv sie sich daran beteiligen. Das beweist uns, dass die Mitarbeiter fest hinter dem Unternehmen stehen und dass wir mit den Themen Transparenz und Dialogbereitschaft einen wichtigen Nerv getroffen haben.

Kann man dann überhaupt von Best Practices sprechen oder dienen erfolgreiche Kampagnen anderer Unternehmen nur als Ideengeber? Ein Erfolgsrezept scheint es nicht zu geben.

Charles Schmidt: Kommunikation über Social Media muss selbstverständlich auf die Bedürfnisse des jeweiligen Unternehmens zugeschnitten sein. Patentrezepte gibt es deshalb nicht. Das gilt übrigens für Social Media genauso, wie für alle anderen Kommunikationskanäle. Jedes Unternehmen muss für sich selbst entscheiden, welche Zielgruppen es bedienen und welche Kanäle es dafür nutzen möchte. Dass man sich Anregungen auch von anderen Unternehmen (bzw. sog. „Best Practices“) holt, liegt in der Natur der Sache und ist auch völlig legitim, zumal es sich ja um eine sehr junge Kommunikationsform handelt.

Gibt es dennoch Tipps bzw. Erfolgsfaktoren für einen soliden Start in Social Media?

Charles Schmidt: Eine gute Basis ist natürlich eine offene und dialogorientierte Unternehmenskultur. Wenn man seine Mitarbeiter dafür begeistern kann, sich im Social Web als „Fan“ des Unternehmens zu „outen“, ist man schon auf einem guten Weg.

Für einen erfolgreichen Start ins Abenteuer Social Media gibt es weiterhin einige „handwerkliche“ Basics zu beachten:

Im Vorfeld muss zugehört werden. Nur wenn man weiß, was im Web über das Unternehmen kommuniziert wird, lässt sich eine sinnvolle Strategie entwickeln. Sind die Themen und Influencer dann einmal bekannt, tut man sich natürlich viel leichter – auch mit der Auswahl der Zielgruppen, Kanäle, Themen etc…  Anschließend gilt: Inhalte, Inhalte, Inhalte. Am besten sollte man sich bereits im Vorfeld klar werden, aus welchen Quellen mögliche Themen für die Online-Kommunikation kommen können. Wo sind versteckte Potentiale, die auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich sind? Diese gilt es zu erschließen. Ich bin mir sicher, jedes Unternehmen hat interessante Geschichten zu erzählen, die über reine Werbebotschaften hinausgehen.

Nutzen Sie Social Media eigentlich auch unternehmensintern (Stichwort Enterprise 2.0), z.B. für Kommunikation und Wissensmanagement?

Charles Schmidt: Die Idee von Facebook, Twitter, Xing und Co kommt über kurz oder lang in jedes Unternehmen. Auch wir befassen uns intensiv mit der Einführung verschiedener Enterprise 2.0 Technologien und Plattformen.

Welche Vorteile haben sich durch interne Nutzung von Social Media ergeben?

Charles Schmidt: Wir stehen hier noch ziemlich am Anfang einer sicherlich sehr spannenden Entwicklung. Insofern kann und möchte ich hier noch nicht von Vor- oder Nachteilen sprechen. Allerdings ist eines klar: Bei Enterprise 2.0 geht es in erster Linie um Menschen und nicht um Technologien.

Herr Schmidt, danke Ihnen für das sehr interessante Gespräch und weiterhin viel Erfolg.

Zu den Themen Nutzung von Social Media im Employer Branding und Recruiting und Enterprise 2.0 haben wir jeweils eine Studie durchgeführt. Die Ergebnisberichte und weitere Informationen können gerne anfordert werden.

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